Hallo zusammen,
bei den ganzen Mails und interessanten Vorschlägen und Erweiterungen des
Neo-Layouts habe ich bemerkt, dass ein gewisser Bedarf besteht, ein
Software-Tastaturlayout möglichst einfach konfigurieren zu können, ohne auf
Programmierkenntnisse zurückzugreifen. Selbst wenn man manches programmieren
kann, heißt es nicht, dass es einfach ist, noch dass schnelle Anpassungen
zum Experimentieren drin sind.
Für Windows-Nutzer ist Reneo ein ziemlich gutes Tool. Es hat die Handhabung
der Neo-Ebenen und ihrer Umschalttasten in sich einkodiert und stellt dazu
eine JSON-Schnittstelle bereit, um mit Layouts der Neo-Familie zu spielen
oder eigene Variationen schnell und dauerhaft konfigurieren zu können. Das
ist sehr praktisch, aber bin bei meinen Ideen bereits auf Features gestoßen,
die damit nicht realisierbar sind, die wiederum weitere Spezialfälle im
Reneo-Code erfordern. Das ist nicht wirklich nachhaltig noch besonders
schnell oder motivierend.
Daher möchte ich hier kurz ein bisschen vorfühlen und weitere Ideen sammeln
für eine generische Variante von Reneo, die ich Keymechs nenne. Ich trage
dieses Projekt seit über zwei Jahren mit mir herum und hatte Anfang 2023
auch eine erste lauffähige Rohversion (jedoch nicht konfigurierbar). Dann
kam das Leben dazwischen und die Idee verflog ein wenig. Durch die ganzen
Mails hier habe ich mich entschieden, sie wieder aufleben zu lassen und weiß
nun auch, dass der Ansatz nicht über die Implementierung, sondern über die
Konfiguration erfolgen sollte.
Die Ziele von Keymechs sind:
• wie Reneo ein Programm im Usermode, dass die eingehenden getippten Tasten
interpretiert und gemäß der aktuellen Layoutkonfiguration „umbaut“, sodass
das gewünschte Zeichen / Taste / Funktion herauskommt.
• unabhängig vom tatsächlich aktiven Tastaturlayout
• generische Definition von Ebenen, nicht nur auf die Neo-Familie beschränkt
• Ermöglichen verschiedener Verhaltensweisen, darunter auch Mod-Tap
• einfachere Konfiguration als bisher (JSON ist nicht dafür gemacht)
• anpassbar an unterschiedliche Hardware-Layouts (nicht nur ISO/ANSI)
An Reneo finde ich einiges gut, das ich gerne auch übernehmen würde:
• Einlesen und Verwenden von Compose Combinations
• Bildschirmtastatur (hier ggf. auch mit Darstellung von CoCos)
• Konfiguration für Laien
Wenn man sich den Reneo-Code durchschaut (und versteht), wird man einige
gewachsene Strukturen entdecken. Vieles ist aus Neo einfach hartkodiert
drin, so dass es umso schwieriger ist, mit den Layer-Umschalttasten andere
Dinge zu erreichen, oder andere/weitere Layer zu definieren. Manches geht,
aber ist dann auch wieder explizit einkodiert worden. Auch der Einhandmodus,
der eine ganz spezielle Mod-Tap-Konfiguration verwendet, ist manuell drin im
Code. Dies führt zu einer schlechten Erweiterbarkeit und ist wie oben
beschrieben der Grund, dass ich hier nochmal neu ansetzen möchte, um all
diese Sache konfigurierbar zu machen, was entsprechend auch mehr
Einstellmöglichkeiten braucht.
Ich möchte mich in der Funktionsweise grob an dem orientieren, was ZMK für
programmierbare Tastaturen bietet, die sogenannten Behaviors:
https://zmk.dev/docs/keymaps/behaviors
Dies soll nicht (unbedingt) die Syntax zur Konfiguration sein. ZMK setzt an
einer ganz anderen Stelle an als Reneo, weswegen die Optionen von ZMK hier
weder komplett möglich noch sinnvoll in dieser Form sind. Doch die Behaviors
finde ich sehr nützlich und reichen (fast) aus, um mindestens Neo damit
generisch zu definieren.
Was die Implementierung von Keymechs angeht, habe ich bereits ein
funktionierendes Konzept erstellt. Ich würde das zwar nochmal überarbeiten
(ist zwei Jahre her), aber vom Prinzip her klappt es. Die Konfiguration ist
dagegen das, was mir Schwierigkeiten bereitet. Ich hätte gerne eine
„sprechende“, direkt verständliche Konfiguration, ohne viel Klimbim und
unnötige Optionen. Eine die man erstmal so runterschreiben kann und die
visuell auf einen Blick zeigt, wie eine Ebene ausschaut. Mal ein Beispiel
mit 6x3 Tasten:
[Mod3]
… _ [ ] ^ !
\ / { } * ?
# $ | ~ ` +
Dazu kommen noch die Optionen für die Verhaltensweisen von Tasten, um die
Ebenenumschaltung zu steuern, Locks festzulegen usw. Die machen die
Darstellung natürlich länger, aber aus meiner Sicht besteht keine
Notwendigkeit für elendig hässliche Strukturen wie bei JSON.
Ich habe ein paar Ideen für das Konfigurationsformat, welche ich aber in
einer weiteren Mail schreibe (die hier ist bereits zu lang).
So wie ich das in den letzten Wochen gelesen habe, besteht vermehrt Bedarf.
Ich würd’s halt auch erstmal nur für Windows entwickeln, halte mir aber eine
Umsetzung desselben Prinzips für Linux offen (Mac ist eine andere
Geschichte). Ich weiß auch um bestehende Tools wie bspw. ZMK (keyboard
firmware), KMonad, Kanata, keyd (nur Linux) oder keymapper (arbeitet auf
Tasten statt Ebenen), die alle die eine oder andere Sache umsetzen, teils
sehr feature-reich sind. Ich habe mir viele davon angesehen und bin zu dem
Schluss gekommen, dass sie entweder nicht geeignet sind, nicht für Windows
erhältlich, oder meistens viel zu umständlich in der Konfiguration
daherkommen. Mächtig, ja, aber wenn ich quasi Lisp programmieren muss, um
mein Tastaturlayout zu bekommen, dann wünsche ich mir lieber eine kompaktere
und intutiv verständliche Sprache genau für diesen Zweck.
Ich würd’s halt gerne probieren und dabei vor allem für mich lernen, eine
Konfigurationsdatei einer selbstdefinierten Sprache (DSL) zu parsen. Ich
freue mich über jegliche Anregung, Kritik, Hinweise.
qwertfisch
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