Am 6. Juli 2012 19:14 schrieb duracell <[email protected]>:

> Hallo Paul,
> erstmal danke für deine Antwort, ich würde aber gerne meine Meinung
> nochmal dazu erläutern:
>
>
> Am 6. Juli 2012 18:39 schrieb Paul Meyer-Dunker
> <[email protected]>:
> >> ich widerspreche deiner Meinung total. Aus viel eigener Erfahrung kann
> >> ich dir sagen, dass die meisten Jugendlichen ein Gerichtsprozess nicht
> >> interessiert, da er viel zu spät kommt und die Urteile meistens (bei
> >> zigfachen Straftaten) viel zu lasch ausfallen.
> >
> > Hier gibt es gleich mehrere Aspekte auf die Eingehen möchte. Dass
> Prozesse
> > teilweise sehr weit weg von der eigentlichen Normüberschreitung liegen
> hat
> > nichts mit dem Warnschussarrest zu tun.
> > Auch die Aussage dass Urteile zu lasch ausfallen empfinde ich als schwer
> > nachvollziehbar. Inwiefern sind sie denn zu lasch? Längere Haftstrafen
> und
> > höhere Höchststrafen? Oder zu viele Aussetzungen zur Bewährung? Selbst
> wenn
> > Strafen zur Bewährung ausgesetzt werden sind diese des Weiteren mit
> > wichtigen, verpflichtenden Auflagen verbunden.
> > Was ist für dich denn der Sinn des Jugendstrafrechts? Ist dir bewusst
> dass
> > im Jugendstrafrecht darum geht Jugendliche in den Einzelfällen zu
> bessern?
> > (pädagogische Maßnahmen)
> > Gerade in dieser Phase halte ich es nicht förderlich für die
> > Persönlichkeitsentwicklung des noch in der Entwicklung befindlichen
> > Jugendlichen ihn "präventiv" als Warnschuss zu inhaftieren. Ich halte das
> > für den völlig verkehrten Ansatz, häufig wird sogar Gegenteiliges
> erreicht.
>
> Der Zeitaspekt war auch nur ein Punkt, der mir wichtig genug war, ihn
> generell zu nennen.
> Nein, zu viele Verwarnungen. Die Leute mit denen ich zu tun hatten
> sind generell mit "Ich weine gleich wieder vor dem Richter, dann
> passiert mir nichts" in die Verhandlung gegangen. Und zumindest waren
> alle trotz zigfacher (teilweise schwerer) Gewalttaten noch fröhlich
> scheiße am bauen. Es gab nur wenige Ausnahmen, die dann doch eine
> Jugendstrafe bekommen haben, dann allerdings Jahre, weil es sich doch
> irgendwann aufgestaut hat.
>
Ich weiß nicht was du für eine Vorstellung von Bewährungsstrafen hast, aber
Bewährungsstrafen sind KEIN Freispruch zweiter Klasse. Sie sind mit
strengen Auflagen und intensiver Betreuung verbunden.


> Mir ist bewusst, dass jede Haftstrafe in Deutschland eine
> erzieherische und (wieder) eingliedernde Maßnahme sein soll.
> Es ist mir nur berichtet worden, dass Jugendliche die in Haft waren,
> das ganze nochmal aus einem ganz anderen Licht gesehen haben. Das sie
> da eher nicht hinwollen.
>
Du schließt von Einzelfällen auf die Gesamtmenge. Die Statistiken
widersprechen dir total: Die Rückfallquote liegt mit 70% bei ehemals
Inhaftierten Jugendlichen mit Abstand am höchsten.


>
>
> >> Dadurch treiben sie es
> >> weiter, bis es irgendwann zur (langen) Haftstrafe kommt.
> >
> > Sie "treiben es also immer weiter" weil man sie nicht "präventiv" in den
> > Knast gesteckt hat? Srsly? Natürlich brauch es Maßregeln zur Besserungen
> des
> > Jugendlichen Straftäters. Mir fallen da aber viel, viel bessere Maßnahmen
> > ein als jemanden für bis 4 Wochen im Jugendknast zu warnen. Das verkennt
> > völlig den pädagogischen Ansatz des Jugendstrafrechts (den ich für völlig
> > richtig halte)
>
> Wenn du es unbedingt so umvormulieren willst - Ja.
> Sie treiben es weiter, weil sie nicht gemaßregelt werden und nicht
> einschätzen können *was* sie erwartet. Für viele ist Knast cool, da
> muss man nicht arbeiten, man lernt andere "coole" Leute kennen und so
> einen scheiß. Ich rede von Leuten, die sich später auch gerne "Nutten
> halten" und dafür Sorgen wollen, dass sie "gehorchen".
>
>
> >> Die Idee finde ich daher ziemlich gut, die Ausführung aber eher naja.
> >> Ich würde erstmal ein Gespräch und Führung, sowie kurzer
> >> (freiwilliger) Einsperrzeit bevorzugen (Zumindest von dem was ich
> >> darüber gehört habe) .
> >
> > Ich halte es für sinnvoll alles dafür zu tun Maßnahmen zu finden die es
> > sinnvoll vermeiden dass Jugendliche jemals in Kontakt mit solchen
> > Haftanstalten kommen, da dort in meinen Augen völlig neue Probleme
> entstehen
> > können.
>
> Ich halte es für sinnvoll Jugendliche die ihrem Lebenslauf nach im
> Knast Enden vorher mal zu zeigen, dass das nicht erstrebenswert ist.
> Außerdem ist 4 Wochen das _Höchstmaß_!
>
Arrest ist für die Persönlichkeitsentwicklung völlig destruktiv, da ändert
auch die Dauer nichts. Wie stellst du dir sowas eigentlich vor? Er bedeutet
Zusammenleben mit anderen Kriminalitätserfahrenen auf engem Raum,
Subkultur, Hackordnung, negatives Lernen, Machtkampf und Männlichkeitskult.
Ich glaube nicht dass das Hilfreich ist und eher noch den Weg ins Gefängnis
beschleunigt.


>
>
> >> Man muss auch immer überlegen, wer davon betroffen wäre. Wenn jemand
> >> immer wieder Leute schwer verletzt und im Erwachsenenstrafrecht
> >> vielleicht jahrelang weggesperrt wird, dann ist ein Warnschuss sicher
> >> eine Sache, die zu überlegen wäre.
> >
> > Betroffen sind Jugendliche, wer immer wieder Leute schwer verletzt
> bekommt
> > eine Jugendstrafe die ihn in Haft bringen wird. Inwiefern auch bei
> > notorischen Straftätern jetzt ein Warnschussarrest helfen soll ist mir
> > schleierhaft.
> > Dieser ganzen Idee liegt der falsche Gedanke zugrunde dass man durch die
> > Verdeutlichung der Straferwartung die Leute abschrecken kann. Das spielt
> > vielleicht bei Steuerhinterziehern eine Rolle, aber sicher nicht bei
> > Jugendlichen Straftätern bei denen der Ursprung ihrer Delinquenz aus
> ihren
> > sozialen Bedinungen und Umfeld heraus entstehen. Das verkennt die
> Probleme
> > von vorne bis hinten und setzt an völlig falschen Stelle an.
>
> Sehe ich aus o.g. Gründen anders. Auch solche Leute kann man zeigen,
> dass Knast kein schönes Leben ist. Ich finde, wie gesagt, Gespräche
> mit Insassen, sowie einmal kurz in die Zelle die pädagogisch
> sinnvollere Idee. Außerdem ist es "nur" eine Kombination von
> Dauerarrest und Jugendstrafe (auf Bewährung), oder verstehe ich das
> falsch?
>
Nur ist lustig. Es ist genau genommen das völlige ad absurdum führen des
Bewährungsgedankens. Ich weiß auch nicht wie du dir diese "Gespräche mit
Insassen" Nummer vorstellst. Und was ist pädagogisch wertvoll and "einmal
kurz in die Zelle." Was ist die Lehre für den Jugendlichen? und was für ein
pädagogisches Konzept soll das eigentlich sein?


>
> -duracell
>
Paul


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